Vertrauenssache

Kein Foto, Anna Füller Xi war an diesem Tag weit weg

Mein Sohn hat ohne zu fragen Kuchen gegessen – und ich habe mich gefreut!
👦🍩🙆‍♀️

Die meisten Leser werden sich jetzt fragen, ob ich nun endgültig ein Rad ab habe.
🤔 Die einen, weil sie die Tragweite dieser Szene nicht erfassen (können).
😨 Die anderen weil sie sich fragen wo meine Verantwortung für mein Kind abgeblieben ist.

Ich muss etwas ausholen, um diese Szene begreiflich zu machen.

Seit über 7 Jahren isst mein Sohn nichts, bei dem er nicht wirklich sicher ist, dass “seine” Allergene nicht drin sind. Egal was, egal wo, egal von wem – immer!!! Er fragt jedesmal nach, liest nach, zögert trotz Sicherheit sehr oft, das mindeste ist jeweils ein Rückversicherungs-Blick zu mir. Und er lässt beim kleinsten Zweifel die Finger davon. Und das fördere ich und bin zugegebenermassen stolz darauf, wie zuverlässig er damit ist. Alles andere ist bei einer lebensbedrohlichen Allergie schlichtweg pures Russisch Roulette.

Wie kam es nun aber dazu, dass er scheinbar seine Allergie vergass, Kuchen mampfte und ich mich auch noch darüber freue und ihn mir nicht vorknöpfe und an die Risiken erinnere?

👨‍👩‍👧‍👦 👨‍👩‍👧‍👦 Es passierte während eines Ausflugs mit einer Familie, deren Sohn ebenfalls mit Anaphylaxie-Risiko lebt (wenn auch ein anderes Allergen). Bereits letztes Jahr haben wir uns einmal getroffen und einen wunderschönen Tag zusammen verbracht. Dies nun war unser zweites Zusammentreffen. Die Kinder spielen zusammen wie alte Freunde, es ist herrlich unkompliziert, es passt 💚.
Bei der Begrüssung beobachtete ich, wie die Blicke der zwei Jungs kurz auf dem Bauchgurt (mit dem Notfallset) des Gegenübers ruhten 👀. Und dann war die Kinderschar auch schon spielend verschwunden. Den ganzen Tag über war die Allergie für sie absolut kein Thema. Für uns Mütter natürlich schon, es tut gut, sich auszutauschen und Verständnis für die eigenen Probleme zu erleben.

🍰 Nachmittags stellte die andere Mama den Kindern einen selbstgebackenen Kuchen hin. Und ja, mein Sohn griff zu, biss hinein und mampfte genüsslich. Ohne zu fragen, ohne absichend fragenden Blick zu mir.
Er traf diese Frau erst zweimal. Aber das Wissen, dass ihr Kind ebenfalls eine so schwere Allergie hat und sie dadurch genauso “im Thema” ist wie ich, das war für ihn Sicherheit genug.

🤷‍♀️ Egal wie oft er bei den Grosseltern, bei Verwandten und Freunden ist und dort essen darf, immer ist etwas Unsicherheit dabei, jedesmal fragt er, möchte nachlesen etc. Auch wenn es für diese Menschen vielleicht frustrierend sein mag, dass kein vorbehaltloses Vertrauen da ist bezüglich des Essens, ich finde es gut und richtig so! Auch ich frage jeweils nach, erinnere und hinterfrage.
🙏💙 Bitte habt Nachsicht für unsere Vorsicht! Es ist tatsächlich ein großer Unterschied, ob jemand tagtäglich damit lebt, oder man einfach nur dann wenn “dieses” Kind da ist drandenken muss.

Ich selbst war baff und etwas irritiert, dass er nicht fragte. Aber unter diesen speziellen Umständen beliess ich es dabei. Ich freue mich, dass ich meinen Sohn zum ersten mal einfach essen sehen konnte wie jedes andere Kind es tut 😍.
Aber es beschäftigte mich, liess mich nachdenken und euch diese Szene schildern. Etwas so kleines, aber für mich Bedeutungsvolles…

PS: Diese Allergiker-Mama weiss natürlich, wie man am besten die Sicherheit gewährleistet und hat mir im Vorfeld die Zutaten(deklarationen) des Kuchens per WhatsApp zur Kontrolle geschickt – So geht das: einfach, schnell und sicher – Danke 😘!

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